Mythen und Fakten über Verhütung

Mythen und Fakten über Verhütung

Hormonelle Verhütungsmethoden

Die monatliche Regelblutung ist notwendig um die verdickte Schleimhaut abzustoßen.

Nicht wahr. Wenn Sie die Antibabypille oder eine andere hormonelle Verhütungsmethode verwenden, wird keine Gebärmutterschleimhaut gebildet. Der Gestagenspiegel bleibt dennoch stabil. Die monatlich wiederkehrende Woche ohne Pilleneinnahme führt zu einer künstlich herbeigeführten Blutung, die der Frau das natürliche Zyklusgefühl vermitteln soll.

Künstliche Hormone passen nicht in einen natürlichen Lebensstil.

Dies ist eine sehr persönliche Entscheidung. Die im Labor hergestellten Hormone sind fast identisch mit den körpereigenen Hormonen. Frauen, die sich mit künstlichen Hormonen nicht wohlfühlen, können sich für die hormonfreie Verhütung in Form einer kupferhaltigen Spirale oder für Barrieremethoden (Kondom, Frauenkondom, Diaphragma, Portiokappe) entscheiden, die die Spermazellen stoppen. Es wird oft empfohlen, vorsorglich auch ein Spermizid einzusetzen. Die Hormone in der Pille, der Hormonspritze, den Hormonstäbchen und dem Pflaster gelangen in den ganzen Körper (systemisch), Hormone in der Hormonspirale und dem Verhütungsring bleiben hauptsächlich lokal. Lesen Sie hier mehr zum Thema hormonfreie Verhütung.

‘Die Pille’

 Wenn Sie die Pille nehmen, sollten Sie alle paar Jahre eine Pause machen.

Das stimmt nicht. Sie können eind Antibabypille jahrelang verwenden, solange Sie wollen. Gründe um die Pilleneinnahme zu unterbrechen oder die Pille abzusetzen sind: Kinderwunsch, wenn Sie eine andere Methode der Empfängnisverhütung wählen, wenn Sie sicher sind, dass Sie keinen Sex haben werden, oder wenn Sie bereits in, oder nach den Wechseljahren sind.

Wenn Sie eine Antibabypille länger als zehn Jahre eingenommen haben, kann dies zu Fehlgeburten in frühem Stadium nach der Empfängnis führen.

Diese Annahme ist ein Mythos. Selbst wenn Sie seit Jahren die Pille nehmen, sind Sie nach deren Absetzen wieder fruchtbar ohne weitere Zusatzrisiken.

Jemand, der vergesslich ist oder ein Leben mit wenig Regelmaß führt, sollte besser nicht die Pille nehmen.

In der Tat gibt es viele zuverlässige Alternativen für Frauen, die manchmal die Antibabypille vergessen, die zu unregelmäßigen Zeiten zu Bett gehen oder die viel auf Reisen sind. Die Pilleneinnahme muss alle 24 Stunden erfolgen, mit einer maximalen Abweichung von 12 Stunden. Für Frauen mit einem Beruf in der Luftfahrt, bei Schichtarbeit und für Frauen, die vergesslich sind, ist ein IUP („Spirale“) oder ein Hormonstäbchen eine gute Alternative.

Nur die Diane Pille kann Akne reduzieren.

Nein, alle Kombinationsmethoden mit Progestagen und Östrogen können den Verlauf der Akne beeinflussen, sollten aber dennoch nur zur Empfängnisverhütung verschrieben werden. Reine Progestagen Präparate hingegen (Mini-Pille, Hormonspritze, Hormonstäbchen) können Akne verstärken.

Die Pille erhöht das Thromboserisiko.

Das entspricht der Wahrheit und gilt auch für andere hormonelle Kombinationsmethoden wie den Vaginalring und das Verhütungspflaster. Die Risken sind jedoch erheblich geringer als bei einer Schwangerschaft. Das Thromboserisiko ist bei Frauen, die rauchen, bei Frauen mit Adipositas oder bei Frauen mit einer bestimmten genetischen Mutation, in jedem Fall erhöht. Diese Frauen sind mit einer hormonellen Kombinationsmethode besser beraten.

Hormonstäbchen-Implantat

Ein Hormonimplantat (Verhütungsstäbchen) bietet Schutz für drei Jahre.

Das ist richtig. Es wird subkutan in den Oberarm eingeführt und verbleibt dort für drei Jahre. Nach diesem Zeitraum muss das Implantat erneuert werden.

Ein Verhütungsstäbchen kann seine Lage im Körper verändern, es kann „wandern“

Das ist in der Vergangenheit bei unsachgemäßer Platzierung passiert. Aus diesem Grund wurden die Regeln für und die Entfernung des Verhütungsstäbchens 2016 verschärft. In den Niederlanden ist dieses Problem soweit bekannt nicht aufgetreten. Die Platzierung erfolgt durch einen Arzt.

Verhütungspflaster

Ein neues Verhütungspflaster sollte an eine andere Stelle als das Vorherige geklebt werden.

Das ist richtig. So vermeiden Sie eventuelle Hautirritationen.

Wenn sich das Hormonpflaster innerhalb einer Woche löst, kann es mit einem neutralen Pflaster wieder befestigt werden.

Nein, hiervon wird definitiev abgeraten. Der Hautkontakt war dann für die Hormonaufnahme nicht ausreichend. Wenn der Pflaster sich gelöst hat, muss ein neues Pflaster angewendet werden. Um eine zuverlässige Wirkung zu gewährleisten, muss dies innerhalb von 24 Stunden nach dem Ablösen erfolgen.

Der Vaginalring

Es ist schwierig an das Einsetzen / Entfernen zu denken.

Ja, einer tägliche Routine zu folgen ist einfacher als an das Entfernen des Rings nach drei Wochen, bzw. an das Wiedereinsetzen nach der Pausewoche zu denken. Aber es gibt viele Möglichkeiten sich erinnern zu lassen wie zum Beispiel Aufkleber für Ihren Kalender, SMS oder mit dem Smartphone eingepflegte Erinnerungen.

Es ist schwierig den Verhütungsring einzuführen.

Das ist gar nicht so schwer: Es ist vergleichbar mit der Einführung von Tampons. Ein Applikator wird ebenfalls mitgeliefert.

Spiralen (IUPs)

Ein IUP ist spiralförmig

Nicht wahr. Deshalb könnte man besser von einem IUP (Intrauterinpessar) sprechen. Einer der ersten IUPs, die um 1960 auf den Markt kamen, hatte eine Spiralform, aber heute haben die meisten IUPs eine T-Form (siehe Abbildung links).

Ein IUP kann zu einer Gebärmutterentzündung führen.

Das stimmt nicht. Sobald er platziert ist, kann er keine Infektion verursachen. Meist treten Infektionen unmittelbar nach dem Einsetzen auf, wenn eine bereits bestehende Infektion "eingeschleppt" wird. Deshalb ist es wichtig, dass der Arzt, die die Spirale platziert, steril arbeitet und sehr gut überprüft, ob bei der Frau ein sexuell übertragbare Krankheit, eine Entzündung im Vaginalbereich oder ein ähnlicher Infekt vorliegt. Die modernen Materialien sind antibakteriell.

IUPs sind für Frauen geeignet, die „Pillen-müde“ sind.

Das ist wahr. Für Frauen, die täglich die Pille schlucken müssen, kann ein IUP eine geeignete und zuverlässige Alternative sein, um eine Schwangerschaft zu verhindern.

Das Einsetzen eines IUP ist schmerzhaft.

Möglich. Es ist wichtig, beim Einsetzen im Vorfeld ein Schmerzmittel einzunehmen (z.B. Paracetamol), aber dies kann Schmerzen während der Platzierung nicht vollständig verhindern. Die Person, die das IUP platziert, muss den leicht gekrümmten Gebärmutterhals gerade ziehen, um den IUP in die Gebärmutter einzuführen. Das kann schmerzhaft sein. Der Schmerz danach kann mit den genannten Schmerzmitteln gut kontrolliert werden.

Sie können von einem IUP unfruchtbar werden.

Nein. Sie können jedoch von einer “aufsteigenden” Chlamydien-Infektion unfruchtbar werden, die von dem Setzen einer Spirale begünstigt wird. Deshalb ist es wichtig, dass diese vor der Platzierung unbedingt ausgeschlossen wird. Bei vorheriger guter Kontrolle besteht keine Möglichkeit einer Unfruchtbarkeit aufgrund eines IUP.

Nachdem eine Spirale eingesetzt wurde, müssen Sie weitere 4-6 Wochen zusätzlich verhüten.

Nein. Der Kupfer-IUP schützt unmittelbar nach dem Einsetzen vor einer Schwangerschaft. Wenn der IUP innerhalb von sieben Tagen nach Menstruationsbeginn eingesetzt wurde, bietet er auch unmittelbar nach der Platzierung Schutz vor einer Schwangerschaft.

Ein IUP ist weniger zuverlässig als die Pille.

Das stimmt so nicht. Sowohl die kupferhaltigen als auch die hormonhaltigen Spiralen sind sehr wirksam bei der Verhinderung einer Schwangerschaft (99%). Das ist so effektiv oder zuverlässig wie die Pille, wenn sie richtig angewendet wird. Sie können die Pille vergessen – der IUP hingegen, kann für fünf Jahre bleiben (T-Safe sogar zehn Jahre). Für die anderen Spiralen liegen keine Untersuchungsergebnisse vor, die über eine fünfjährige Verweildauer hinausgehen.

Nach der Entfernung eines IUP sind Sie schnell wieder fruchtbar.

Das ist wahr. Unmittelbar nach der Entfernung wird sich Ihr eigener Menstruationszyklus erholen und Sie können wieder fruchtbar sein.

Ihre monatlichen Blutungen werden mit einem IUP intensiver.

Das ist weitgehend falsch. Nach dem Einsetzen einer kupferhaltigen Spirale können die ersten Menstruationen länger und schmerzhafter sein. Bei Verwendung einer hormonhaltigen Spirale wird die Blutung viel leichter und weniger schmerzhaft oder sie bleibt vollständig aus.

IUPs sind nur für Frauen, die bereits Kinder haben.

Nicht wahr. Auch bei Frauen die keine Kinder geboren haben kann ein IUP eingesetzt werden. Für diese Frauen werden häufig die kleineren Formen gewählt, wie Flexi-T 300/300 D, Gynefix 220 und Multi-Safe (Kupfer) oder Kyleena (Hormon).

Ein IUP wird nicht bei Frauen mit einem erhöhten Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten eingesetzt.

Stimmt. Eine Geschlechtskrankheit ist ein Risiko für eine Gebärmutterentzündung. Deshalb wird der Arzt prüfen, ob dieses Risiko das Einsetzen eines IUP erschwert.

Ein IUP wird nicht für Frauen mit starken Menstruationsblutungen empfohlen.

Wahr und nicht wahr.
Bei starken Monatsblutungen wird von einer Kupferspirale abgeraten. Eine hormonhaltige Spirale hingegen kann diesen Frauen ein gutes Ergebnis bringen, da dies die Menstruationsbeschwerden lindern kann.

Die Mirena-Spirale ist die einzige Hormonspirale.

Nein, es gibt eine zweite Hormonspirale namens Kyleena. Diese ist kleiner und enthält weniger Hormon als Mirena, jedoch bei voller Wirksamkeit.